Die in Kassel
ein Bericht von
© Florian Schill


  Die 110 in Kassel

Ein Vergleich des früheren Einsatzbildes der 110 mit dem heutigen am Beispiel Kassel. Der geneigte Eisenbahnfotograf, der im Raum Kassel eine 110 vor die Linse bekommen möchte, hat sehr gute Karten. Seit der Fahrdraht Mitte der sechziger Jahre Kassel erreicht hat, ist die Schnellzuglok fester Bestandteil des Bahnbetriebes. Die geographisch günstige Lage in der Mitte Deutschlands hat es möglich gemacht, 110er aller Bahnbetriebswerke in Kassel wenden zu sehen. Schauen wir mal in die Laufpläne vom Sommer 1989,  planmäßig wenden Stuttgarter, Dortmunder, Hamburger und natürlich Frankfurter 110er in Kassel. Sogar für die 112er ( DB-Version) vom Bw Hamburg sind zwei Wendungen in Kassel vorgesehen. Da Kassel erst 1991 an den wirklich hochwertigen Fernverkehr angeschlossen wurde, standen hauptsächlich D-Zug-Leistungen in alle Richtungen Deutschlands im Programm. Die in 1988 eingeführten InterRegios bespannten die 110er vorwiegend auf der Strecke Kassel-Frankfurt meist im Wechsel mit den Eilzügen Kassel-Giessen-Frankfurt. Bevor die D-Zug-Linie Düsseldorf-Erfurt auf InterRegio umgestellt wurde, mussten die s.g. „Interzonenzüge“ gefahren werden. So geschehen auf den Streckenabschnitten Bebra-Kassel und Kassel-Düsseldorf. Teilweise im Wechsel mit Düsseldorfer 111.Nachdem dann 1991 der ICE in Kassel Einzug hielt, haben die 103 den Grossteil der IR-Leistungen übernommen. Die 110 geht nun immer mehr den Weg in den Nahverkehr. Mittlerweile bespannen die Maschinen einerseits die von Kasseler Reisezugwagen gebildeten Nahverkehrszüge nach Göttingen, Bebra und Giessen, andererseits die meist sehr langen Eilzüge über Bebra bzw. Giessen nach Frankfurt. Nicht zu vergessen die unzähligen Postzüge mit teilweise 8 Wagen, die in Kassel teilweise neu zusammengestellt wurden. Auch der Güterverkehr kam in diesen Jahren noch nicht ohne die 110 aus. Erst ging es mit einem voll besetzen Nahverkehrszug über Wabern nach Treysa, dann den Wagenpark abstellen, Lz nach Wabern und anschließend einen Güterzug zum Kasseler Rangierbahnhof. Das Verbindungsgleis vom Rangierbahnhof zum Hauptbahnhof Kassel wurde also sehr oft genutzt !


110 499 mit RegionalBahn in Kassel Hbf  
© Florian Schill


Schauen wir nun mal ein Paar Jahre weiter, wir sind im Jahr 1997, die Bahn hat sich vom guten alten Postzug verabschiedet und jetzt fahren die Maschinen unter der Regie vom Geschäftsbereich Traktion der Deutschen Bahn, was aber im alltäglichen Betrieb eine noch nicht so große Rolle spielen sollte. Die 111 hält nun Einzug, 4 Plantage auf der Strecke Kassel-Giessen-Frankfurt werden auf Frankfurter 111 samt Doppelstockwagenpark umgestellt. Dies ist auf der Strecke Fulda-Frankfurt schon im Jahr1996 geschehen, und somit ist die durchgehende Verbindung Kassel-Fulda-Frankfurtentfallen. Nun beschränkt sich die Vielfalt an Maschinen eigentlich nur noch auf Frankfurter Exemplare. Aber weiterhin sind „fremde“ Maschinen zu Gast in Kassel, nicht zuletzt durch einige Autoreisezüge, die oft in Kassel Station gemacht haben, wenn auch nicht für den Reisenden in den Kursbüchern veröffentlicht. Beim Bahnhofsbesuch konnte man dann nur staunen, wo kommt den auf einmal die
 Saarbrücker 110er her ?

  Jetzt sind wir im Jahr 2002 angekommen. Der Bahnbetrieb besteht zu 100% aus Wendezügen und die mit Wendezugsteuerung ausgerüsteten 110er bewältigen mit den Kolleginnen der Baureihe 141 den Nahverkehr in Nordhessen. Sogar für die „normalen“

Maschinen sind noch zwei Plantage übriggeblieben, was nach außen hin einen nicht unbedingt guten Eindruck macht, hängen die 110 doch vor dem Steuerwagen, nur eben nicht wegen der Technik, sondern der Umlaufplanung . Mit diesen Leistungen wird frühmorgens über Eichenberg sogar Leinfelde erreicht. Durch die Wendezüge haben sich natürlich die Abstellgleise im Bahnhofsbereich des Kasseler Hauptbahnhofs extrem geleert. Im Jahr 1995 waren oft alle Gleise mit Lokomotiven belegt. Teilweise sehr interessante Maschinen standen da: 110,111, 112, 140, 143,151... tja, die Zeiten sind vorbei ! 


110 346   im Hbf Kassel   © Florian Schill



Wollen wir zum Schluss noch Zeuge sein, wenn eine 110 ihr Tagwerk in Nordhessenverrichtet hat und in Kassel zur Nachtruhe eingetroffen ist :Der Zug läuft mit Steuerwagen voraus im Bahnhof ein und mit zunehmenden kreischender Bremsen kommt er zum stehen. Der unüberhörbare Lüfter der 110 schaltet ab, der Hauptschalter knallt, der Stromabnehmer senkt sich. Jetzt ist wieder Ruhe eingekehrt, die letzen Fahrgäste verlassen den Bahnsteig, im Wagenpark wird das Licht ausgeschaltet. Der Lokführer kommt nach einiger Zeit hoch zur Lok , schließt den Führerstand auf, Führerstandlicht an, Rucksack abstellen, in den Maschinenraum und die Sifa einlegen. Währendessen mach der Rangierer den Zug „lang“, d.h. er löst die Schraubenkupplung so weit, bis diese durchhängt, dies geschieht aufgrund der Lage der Abstellgleise des Wagenwerks, sie liegen in der Kurve, und somit ist das Abkuppeln der Loks in der Kurve sehr kraftaufwändig ! Nachdem das geschehen ist ein kleiner Plausch mit dem Lokführer, dass der Zug „lang“ ist und ob der Wagenpark mit der 110 auf die „Kippe“ gebracht wird, oder mit der Rangierlok. In diesem Fall natürlich mit der 110 und somit Stromabnehmer hoch, Hauptschalterrein, und ganz langsam los, über Gleisvorfeld ins Werk, abkuppeln und dann zum Abstellplatz.

 

Für den Fotografen sei noch darauf hingewiesen : Planmäßig bespannen wendezugfähige Maschinen die RE Kassel-Fulda, sie kommen jedoch regelmäßig auch im Plan der Baureihe 141 zum Einsatz.
Also, die 110 steht noch voll im Leben, hoffen wir, dass es noch lange so bleibt !!

© Florian Schill

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